kinetisches

 

Ein Fenster und die Welt zieht vorbei.

Mit Kaffeebecher und Hemdkragen

über die Tastatur gebeugt.

Eine Stirn ohne Haare und

die bange Frage: Wohin bewege ich mich?

 

Lebendigkeit verschwimmt im Blick nach draußen.

 

Im Terminkalender die Häkchen ohne Zwischenräume und

die unmögliche Idee: Vielleicht komme ich nie an.

 

Mit wippenden Zehen und verträumten Blinzeln

in die Hörsprechgarnitur verwickelt.

Ein Fenster und die Welt bleibt stehen.

 

 

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Der Andere

Meine Sprache hast du in sieben Jahren zerstückelt, verbannt den Glauben an das Herz. Gutgläubig begann ich die Reise ohne die Mythen bis zu dem Zeitpunkt, an dem keine Brücke mehr kam.

Meinen Tanz hast du nie bemerkt, mit wässrigem Blick nur die Stiefel betrachtet, die todtraurig in der Ecke stehen. Ohne Bruder, ohne Bart ging ich über den Teich. Der Handschuh fiel ins Wasser und raubt mir seither den Schlaf.

Meine Liebe fiel durch die Wolken in den Schrank. Ganz verstaubt trat sie erst ins Licht, als ich an den Eisenstäben rüttelte, die dein Tod errichtet hat. Du bist nicht krank, aber mein Talent wartet im Gang.

Meinen Traum hast du springen sehen, mächtig wie Pferde ohne Träger, komisch wie die Nuss, die sich in ein Kleid verwandelt und unverhofft wie die Spange, die nichts zusammenhält. Innig vergaß ich, woran ich glaubte.

Meine Nacht hast du verpasst. Kein Schläfer erwacht in deinem Leben. Doch ich finde den Mut zu schreiten, durch ein Jahr und in die Ewigkeit. Ohne das Tier zu vergessen, das tapfer in mir wohnt.

Im Abendlicht

Ein tanzender Elefant am Horizont, stolpert im Abendlicht über die Silhouette des Waldkörpers. Löst sich auf in der Bewegung, verliert Rüssel und Form, verschmilzt mit der zarten Linie, die im Blick alles begrenzt und doch nicht existiert. Der Rand der Welt, ein Phantom, das in unseren Augen liegt. Ein paar weiße Wolken über den dunkelgrünen Tannenhütchen, ein tanzender Elefant, immer wenn ich an dich denke.

Besuch

Ich stehe ohne Schirm am Bahnhof, die Zukunft fährt ein und verlässt den Waggon mit einem eindrucksvollen Schritt. Der Zug ruckelt weiter und sie bleibt hier bei mir, streicht sich die feuchten Haare aus dem Gesicht und wispert mir etwas ins Ohr wie you’ll never know. Dabei greift sie meine Hand und zieht mich den ganzen langen Weg, bis vor das Haus, das in meiner Vorstellung blaue Wände hat und ein fliegendes Bett. Drinnen ist es warm und weich und weit, dicke Kinderhände klatschen an die Scheibe und ein Fragezeichen duscht sich die Kurven vom Leib.

Sie trägt keinen Koffer bei sich, ich vermute, sie ist gekommen um zu bleiben.

Das Blut der Echse

Das Strickmuster in die Haut gedrückt sieht mein Arm aus wie das Bein einer Echse. Beinahe hätte ich ihn vergessen, unter der Hüfte und zwischen den Kissen, diesen Teil meiner Selbst, der mir ohne Bewegung so schnell fremd wird. Deine Worte hallen nach und das Blut fließt irgendwann zurück. In das Bein der Echse, die ich sein will, damit mein Kopf abtauchen und mein Herz sinken kann. In die namenlose Tiefe, in der du und ich aufhörten zu existieren, Arm und Bein kein Gegensatz wären und das Strickmuster kraftlos und in seine Bestanteile zerlegt.

Anfänger

Die Luft schneidet in die Mundwinkel, die rissigen Hände stecken tief in den Taschen. Ich bin hinausgeschlichen wie eine Schneekönigin ohne Krone. Wie lange dauert das Ende? Es fällt mir immer noch schwer zu glauben. An dich und mich, an wärmere Zeiten. Meine Erinnerungen sind festgefroren, verdeckt von Schnee und Eis wie das heimliche Grün. Und wann ist das Ende ein Anfang? Es knirscht unter meinen Füßen, die Spuren zeigen so viele Wege. Einer davon ist meiner. Ich bin Anfänger und mein Schloss ein Konstrukt aus Zweifel. Seine Mauern, die Schlupflöcher, sie sind mir allzu bekannt. Ich habe dich nicht verloren und beginne doch von vorn.

Ein geheimer Moment

 

Im Bett liegen zwischen den samtenen Kissen und der warmen Decke. Vor dem Fenster die Tanne ist noch nachtschwarz, sie bewegt sich im Wind. Immer wieder zucken ihre Äste zusammen, als erschreckten sie. Genau dann blitzt dahinter der Mond auf. Sein vollrundes Strahlen dringt von draußen herein, trifft mich, lässt auch mich erschaudern. Ein geheimer Moment. Und beinahe vergesse ich, dass gleich ein Tag beginnt, ein Bürostuhl wartet, eine Liste bereit liegt und all das, was heute zu tun ist.